Wenn Schatten sich in Schatten hüllen

Hier die erste Seite einer Geschichte, die ich vor einer Weile angefangen habe…

Der Nebel umklammerte die Häuser, die Schatten krochen raunend durch die Gassen und in der Stille verbargen sich tausend Worte. Plötzlich rollte ein Murmeln über die Dächer, nur um gleich wieder zu verschwinden. Eine dunkle Gestalt machte sich den Zustand der Stadt zu Nutzen. Sie tanzte mit den Schatten und sang mit der Ruhe. Geschickt umging sie die wenigen Lichter die matt aus einigen Fenstern drangen. Niemand sonst schien auf den Strassen zu wandeln aber trotzdem verschmolz sie hier und da mit den Nischen und Hauswänden um einen Moment zu verharren, zu erstarren und dann wieder mit Eleganz und Leichtigkeit weiter zu hasten. Ein Windstoss pfiff ihr entgegen und ruckartig schnellten ihre Hände in die Höhe um die weite Kapuze des schwarzen Umhangs festzuhalten. Nur wenige Augenblicke später ertasteten dieselben Hände prüfend eine efeubewachsene Mauer. Die langen Finger umschlossen einen der Mauersteine und rüttelten daran. Die Blätter raschelten, sonst blieb alles still. Nach einem kurzen Blick nach links und rechts, zog sich der Schatten die Mauer hinauf, presste sich oben flach auf den schmalen Grad um kurz nach Luft zu schnappen, ehe er auf der anderen Seite ebenso lautlos wieder hinab glitt. Im Innenhof flackerte drohend eine Laterne, doch auch sie vermochte die Dunkelheit nicht gänzlich zu vertreiben, sodass der Schatten weiterhin unter seinesgleichen wandeln konnte. Auf der anderen Seite des Innenhofes war eine Treppe zu erahnen. Stimmen wurden lauter und deutlicher als der Schatten sich einem Fenster im oberen Stockwerk näherte. Er wurde eins mit der Wand daneben und lauschte.

„Wir können es nicht zulassen!“ protestierte eine männliche Stimme.

„Es zuzulassen wäre in der Tat ein Fehler, doch können wir es genau so wenig verhindern“, antwortete eine Frauenstimme flüsternd, aber nicht weniger bestimmt. Daraufhin senkte auch der Mann die Lautstärke: „Wir haben keine andere Wahl!“

„Das kannst du nicht ernst meinen, es wäre Mord!“ raunte eine dritte Stimme ungläubig.

„Mord, Mord! Es ist weder Mord noch Verrat, es ist eine Notwendigkeit!“ Wieder die Männerstimme.

„Und trotzdem ist es nicht richtig“

„Und doch hat niemand eine bessere Lösung. Also ist es beschlossen. In zwei Tagen ziehen wir los. Wir treffen uns ausserhalb der Stadt. Am Waldrand bei den drei Schwestern.“
Ein zustimmendes, wenn auch missbilligendes Murmeln ging durch die Runde. Dann war knarrendes Holz zu hören. Stühle wurden zurückgeschoben und die Versammelten erhoben sich. Der Schatten hatte genug gehört. Er löste sich aus seinem Versteck und als die Türe zu dem Raum aufging, war er schon auf der Mauer. Er blickte kurz zurück und sah wie sich ein Mann besorgt umblickte bevor er die Treppe hinunter ging. Bis die Leute das Tor des Innenhofes erreicht hatten, war der Schatten schon etliche Gassen weiter. Nicht minder geschickt oder vorsichtig wie auf dem Hinweg. Nicht minder leise und tanzend wie zuvor.

Kejruna

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